"leer" Niedersachen klar Logo

Prozess gegen mutmaßliche Schlüsseldienstanbieter beginnt am 14. November 2019

Prozess gegen mutmaßliche Schlüsseldienstanbieter beginnt am 14. November 2019


Pressemitteilung 71/19


11.11.2019


Die 2. Große Strafkammer (Wirtschaftsstrafkammer) des Landgerichts Osnabrück verhandelt ab dem 14. November 2019 gegen vier Männer im Alter von 26 bis 31 Jahren wegen des Vorwurfs des gewerbsmäßigen Bandenbetrugs (Az. 2 KLs 8/19). Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, in insgesamt 177 Fällen Schlüsselnotdienstleistungen zu weit überhöhten Preisen durchgeführt zu haben, wobei die Angeklagten in unterschiedlichem Umfang an den einzelnen Taten beteiligt gewesen sein sollen.

Die Anklage der Staatsanwaltschaft Osnabrück betrifft einen Zeitraum vom 12. Januar 2019 bis zum 14. Mai 2019. Die den Angeklagten vorgeworfenen Taten sollen sich primär im Raum Weser-Ems und in Bremen bzw. dem Bremer Umland abgespielt haben. Dabei soll es in allen Fällen so gewesen sein, dass die späteren mutmaßlichen Geschädigten im Internet nach einem Schlüsselnotdienst suchten. Sie sollen dann über bestimmte Webseiten, die suggeriert haben sollen, Angebote örtlicher Schlüsseldienste zu veröffentlichen, zu Callcentern in der Türkei geleitet worden sein. Über diese Callcenter sollen anschließend die Angeklagten beauftragt worden sein. Einem der Angeklagten soll dabei eine Schlüsselrolle zugekommen sein. Er soll, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, die Arbeitsbereiche der Monteure, darunter mutmaßlich die übrigen Angeklagten, eingeteilt, diese teils koordiniert und ihnen konkrete Handlungsanweisungen erteilt haben.

Nachdem Aufträge über das Callcenter akquiriert worden waren, sollen, so der weitere Vorwurf der Staatsanwaltschaft, Monteure zu den Kunden vor Ort gefahren sein. Dabei soll die Anfahrt oft mehrere Stunden gedauert haben. Vor Ort sollen die Monteure dann unter falschen Namen aufgetreten sein und Schlüsseldienstleistungen wie Türöffnungen oder den Austausch von Schlössern erbracht haben. Dafür sollen sie weit überhöhte Kosten abgerechnet haben, die sich nicht am tatsächlichen Aufwand oder den den Kunden vorher in Aussicht gestellten Kosten orientiert haben sollen. Die Kunden sollen dabei über die Angemessenheit der abgerechneten Kosten getäuscht worden sein. Es sollen den Kunden zudem in einigen Fällen handelsübliche Schließzylinder als teure Spezialzylinder verkauft worden sein. Außerdem soll den Kunden vielfach wahrheitswidrig zugesichert worden sein, ihre Versicherung werde die Kosten im Nachgang übernehmen, sie müssten das Geld nur vorstrecken.

Die Angeklagten sollen, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, auf diese Weise im angeklagten Zeitraum von rund vier Monaten jeweils zwischen knapp EUR 50.000,00 und mehr als EUR 85.000,00 erlangt haben. Der Schaden bei den einzelnen Taten soll in der Regel zwischen einigen hundert und mehr als eintausend Euro gelegen haben.

Seit ihrer Festnahme am 15. Mai 2019 befinden sich die Angeklagten in Untersuchungshaft. Ihnen drohen im Fall einer Verurteilung jeweils bis zu 15 Jahren Freiheitsstrafe und die Einziehung des Wertes der mutmaßlich erlangten Geldbeträge.

Die Hauptverhandlung beginnt am Donnerstag, dem 14. November 2019, um 09.00 Uhr in Saal 6 des Landgerichts (Saalzentrum). Die Verhandlung soll am 25. und 26. November 2019, am 09., 12., 16. und 20. Dezember 2019 sowie am 06., 09., 14., 16., 20., 23., 28. und 30. Januar 2020 fortgesetzt werden. Die Fortsetzungstermine finden ebenfalls jeweils ab 09.00 Uhr in Saal 6 des Landgerichts statt.

Interessierte Medienvertreter dürfen vor Beginn der Verhandlung am 14. November 2019 für 15 Minuten im Saal 6 des Landgerichts filmen und fotografieren. Das Gericht darf bei seinem Einzug gefilmt und fotografiert werden. Abbildungen der Angeklagten sind mittels geeigneter technischer Maßnahmen zu anonymisieren ("pixeln/blurren"). Bild- und Tonaufnahmen nach der Verhandlung und außerhalb des Verhandlungssaales sind nur nach Erteilung einer Foto- oder Drehgenehmigung durch den Pressesprecher gestattet. Nach der Sitzung am 14. November 2019 steht nach vorheriger Absprache der Pressesprecher des Landgerichts im Sitzungssaal für Auskünfte und O-Töne zur Verfügung.





Richter Dr. Christoph Sliwka, LL.M. (Cambridge)
- Pressestelle -
Landgericht Osnabrück, Neumarkt 2,
49074 Osnabrück
Telefon: 05 41 - 3 15 1551
Telefax: 05 41 - 3 15 6248
christoph.sliwka@justiz.niedersachsen.de

Web: http://www.landgericht-osnabrueck.niedersachsen.de

Twitter: https://twitter.com/LandgerichtOS


zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln